Über Hortlinge

Über Hortlinge – Kinder der Drachen


Über Hortlinge (engl. Hoardlings) ist eine Kurzgeschichte zur Einführung eines neuen Volks in der Fantasyliteratur. Sie beschreibt das geheimnisvolle Leben der Hortlinge, die in den gefährlichen Drachenhorten zu Hause sind. Aber wie schafften sie es, unbemerkt zu bleiben, während Elfen, Orks und Zwerge die Welt eroberten?

»Dort wo ein Drache ist, da ist ein Hortling nicht fern.«

Seit Anbeginn ihrer Zeit leben Hortlinge in Verborgenheit. Niemand hat sie bislang gesehen oder überhaupt von ihrer Existenz gewusst. Ein einfaches friedliches Volk, welches ungestört vom Treiben der Welt ihre eigene kleine Geschichte schreiben konnte.
Hortlinge kennen keine Worte für Krieg, Neid oder Schlimmeres. Dafür umso mehr für Familie, Spaß und Liebe. Dennoch ist ihre gutmütige Seele mit dem Laster des Goldes befleckt.
Ihr Drang nach Schätzen ist so groß, dass sie sich immer öfter aus ihren sicheren Drachenhorten heraustrauen und sich ungesehen auf der für sie noch unbekannten Welt bewegen.
Sie sind neugierig und lieben Gold und Edelsteine in allen erdenklichen Farben. Doch sie geben sich auch mit einem silbernen Löffel oder einer einfachen Münze zufrieden. Hauptsache es glänzt und funkelt. Aber was ein Hortling noch mehr liebt, ist die Freude in den Augen eines Drachen, wenn sie ihre Beute nach Hause in den Hort bringen und ihrem Hüter die neuen Schätze zeigen.
Nicht selten stehlen sie den gierigen Menschen ihr Erspartes, den kampflustigen Orks ihre Beute und den dickköpfigen Zwergen ihr aufwendig gewonnenes Mithril. Sie scheuen sich weder vor den tiefen Unterreichen der grausamen Dunkelelfen, noch vor den höchsten Baumkronen ihrer eitlen Verwandten.

Wenn man einem Hortling gegenüber steht, dann gleicht er von Größe und Aussehen einem Kobold oder Goblin. Mit der Ausnahme, dass Hortlinge von Kopf bis Fuß mit einem dichten grauen Kurzhaarfell bewachsen sind und übergroße runde Augen und Ohren in Form von Fledermausflügeln besitzen, die es in allen Ausprägungen gibt.
Ihren Pelz bemalen sie teilweise in den Farben des zugehörigen Schwarms. Die meisten Hortlinge sind Kinder von Feuerdrachen und färben deswegen ihr Fell in der Stammesfarbe Rot. Söhne und Töchter von Sumpfdrachen trifft man meist in Grünen oder Braunen Bemalungen an. Und dieses Gedankenspiel kann man so weiter spinnen, wie Drachenarten auf der Welt zu finden sind.
Weibliche und männliche Hortlinge sind dadurch noch schwerer zu unterscheiden. Also verzieren sie ihren Körper zusätzlich mit femininem Holzschmuck, schönen Steinen oder sogar Federn und Zähnen ihrer Jagdbeute. Und das zu Recht, denn in der Regel ist ihre Beute größer als sie selbst – und gefährlicher!
Zur Jagd bevorzugen Hortlinge angespitzte Holzspeere, Steinschleudern oder Blasrohre, welche sie meisterhaft beherrschen. Und wenn das nicht reicht, sind ihre Zähne so scharf wie ein Dolch.
Wie die Jäger sind auch das Handwerk der Schnitzer und die Kochkunst der Knochenhauer angesehene Berufskasten. Letztere hüten obendrein das Geheimrezept des beliebten und schmackhaften Krötensuppeneintopfs wie einen Schatz.
Die Arbeit der Lederer dagegen ist der unliebsamste Beruf. Sie werden auch Stänker genannt und verpesten die Luft durch das Gerben von Tierhäuten. Aus diesem Grund sind sie auch nur am Rande der Drachenstädte aufzufinden.
Aber – ob man es glauben mag oder nicht – gibt es auch den ein oder anderen Strolch unter den geruhsamen Graupelzen. Diese werden Polierer genannt und müssen als Strafe für ihre Spitzbüberei unaufhörlich Drachengold putzen oder gleich den ganzen Hort.
Sie werden vom Rat der Weisen dazu verdonnert, die für Ruhe und Ordnung sorgen. Die Ältesten von ihnen werden auch Schamanen genannt und sind doppelt so alt wie ein Mensch. Sie umhüllen sich mit Knochenresten von verstorbenen Drachen und wirken mit der Zauberkraft der Ahnengeister Heilmagie.

Eine weitere Besonderheit dieses mutigen Volks ist ihre Freundschaft zu Tieren. Einen Hortling wird man nämlich niemals ohne seine Lieblingsratte antreffen, die er stets in seiner Nähe hat.
Denn was das kleine Hortlingherz, neben ihrem Meister und glänzenden Edelmetallen, noch zum Schmelzen bringt, sind ihre geliebten Ratten, mit denen sie jährlich am großen Reitrattenrennen beim Fest der Schwärme antreten.
Und das nicht von ungefähr. Das Fest der Schwärme ist ein Fest gewidmet für ihre geliebte Göttin, an dem sie ausgelassen und lange feiern. Sie nennen sie schlicht Mutter.
Dahinter verbirgt sich ein sagenumwobener weiblicher Feuerdrache umhüllt von rubinbesetzten Schuppen und gewaltigen Schwingen: Sin´drasza, die Unersättliche. Ihr flammender Atem war verzehrender als Höllenfeuer und ihr Verlangen nach Gold unstillbar.
Die Hortlinge glauben, dass Sin´drasza zu allen Zeiten über die Schwärme wacht. Denn als die noch frische und wehrlose Zivilisation der Hortlinge ihre ersten Schritte in der Welt versuchte, war sie es, die der scheuen Rasse einst einen Platz zum Überleben bot.
Sin´drasza spürte in ihren winzigen Herzen denselben Drang nach Schätzen, der auch in ihrem innewohnte.
Die Stammesväter schlossen mit dem mächtigen Drachen einen magischen Bund. Ein Pakt, an dem alle Schwärme – Hortling wie Drache – über alle Zeitalter hinaus gebunden sein sollten: Sin´drasza und ihre Abkommen würden die Hortlinge vor der rauen Welt beschützen und verstecken. Im Gegenzug dafür sollen ihre Schützlinge den Schatzhort eines jeden Drachen weiter anhäufen.
Denn die Drachen sind zu faul und zu schläfrig, um ständig nach neuen Schätzen zu suchen. Manche taten es noch selbst, aber die meisten fliegen nur noch zum Fressen hinaus und schlafen auf ihrem stetig wachsenden Goldberg.
Für ihre Aufgabe schenkte Sin´drasza den Hortlingen einen kleinen Teil ihrer magischen Kräfte. Sie erhielten die Aura der Aspekte, durch welche sich die Meisterdiebe für kurze Zeit unsichtbar machen können. Denn die wichtigste Regel auf ihren Beutezügen besagt, dass niemand etwas von diesem kleinen Volk erfahren darf. Dies und dass sie keiner Seele Leid zufügen wollen, sind die obersten Gebote der Hortlinge.
Aber jetzt wurden sie durch die Menschen entdeckt und ihre Entdeckung wird sich zum Guten oder Schlechten für das gutmütige Volk der Hortlinge wenden!

Das Zeitalter der Hortlinge hat begonnen!


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