Bruce McDeel – Meisterdetektiv & Burgbesitzer

Kurzinhalt
Bruce McDeel sitzt wie jeden Morgen auf einer Bank, angelt Grünforellen aus einem Zauberteich und genießt seinen Ruhestand. Und den hat sich der mürrische Zwerg redlich verdient. Der Meisterdetektiv löste viele Fälle und wurde so bekannt, dass es sogar für eine eigene Burg reichte. Streng genommen war es nur ein einfacher Turm mit einem kleinen Hof. Bewusst! Denn Bruce will nur angeln, sein Glimmblatt rauchen und vor allem … Ruhe. Bis zwei Jungen aus dem nahe liegenden Dorf panisch an das Tor klopfen und ihn um Hilfe bitten.

Genre: Fantasykrimi

Der Fluch von Galgenfeld

Lauf Entran, lauf!«, schallte es mir dumpf entgegen, als ich wie jeden Morgen auf der gealterten Holzbank saß und die Angelrute in den Zauberteich mit meinen Grünforellen hielt.
Welcher Krawallmacher schrie hier so laut rum und stört die Ruhe eines alten Zwergs?
»Warte auf mich Tobalt. Bitte! Ich kann nicht so schnell laufen wie du.«
Die zwei Stimmen waren panisch und jung.
Zum Glück stand eine Mauer zwischen mir und diesen Unruhestiftern! Oh bitte, bitte bei Braubarts Bierkrug, hoffentlich wollten diese Bälger nicht zu mir!
Und dann klopfte es auch schon an der Hoftür. »Oh, verdammt!«, brummte ich in meinen dichten grau melierten Rauschebart. Vielleicht gingen sie ja wieder, wenn ich keinen Mucks von mir gebe, und versank nach diesem Gedanken ein Stück tiefer in die Banklehne.
Einer der Jungen rief. »Herr McDeel? Hallo? Hier sind Tobalt und Entran aus dem Dorf!«
Und der Zweite stieg mit energischem Klopfen ein. »Wir brauchen Hilfe! Hallo?«
Die kleinen Biester trommelten gegen das Holz wie mit dem Stock auf eine prallgefüllte Piñata. Haben die keine Manieren? Hier gibt es nichts Süßes! Nur grünen Fisch, der jetzt sicher nicht mehr beißen wird!
»Herr McDeel, bitte!«, rief die etwas tiefere Stimme, die von Tobalt kam – der Ältere der zwei Burschen.
Ich kannte die Beiden. Ihr Vater hatte erst vor kurzem die Holztür frisch gehobelt und lasiert.
Dieselbe Tür, auf der die beiden Wadenbeißer gerade versuchten, einen Haufen Dellen zu hinterlassen. »Ooh nein!«, murrte ich. Für diese Reparatur zahle ich kein einziges Kupferstück! In denen ihrer Haut würde ich nicht stecken wollen, wenn ihr Vater erst fein säuberlich die Beulen wieder herausklopfen wird.
Bei diesem Gedankenspiel wäre mir fast, meine selbstgeschnitzte Pfeife mit dem Drachenkopf, vor lauter schmunzeln aus dem Mund gefallen.
»Wir können den Rauch Ihres Stinkestengels von hier draußen aus sehen«, monierte der jüngere, Entran.
Oh verdammt! »Was wollt ihr zwei Rabauken von mir? Die Tür, die ihr gerade verunstaltet, ist nicht umsonst zu!«, antwortete ich und sah mit einem tiefen Seufzer enttäuscht zu, wie im selben Moment eine Grünforelle den Wurmköder vom Angelhaken stibitzte.
»Unser Vater, Herr McDeel!«, sprach Tobalt immer erregter und unterdrückte dabei ein weinerliches Schluchzen. »Er … Er ist verschwunden!«

Meine rechte Augenbraue ging spitz und buschig nach oben, während ich einen schmatzenden Zug aus meiner Pfeife nahm und mit geschlossenen Augen wohlüberlegt den Kopf schüttelte. »Wie kann ein ausgewachsener Mann einfach so verschwinden, hm?«, fragte ich durch die geschlossene Tür.
Diese Frage nahm den Jungs wohl die letzte Luft aus ihren erschöpften Lungen, denn eine Antwort blieb aus. »Denkt doch mal nach Jungs. Euer Vater ist bestimmt nur im Wirtshaus. Pah! Kein Wunder, wenn ihr auch zu Hause so einen Radau wie hier an meiner Tür veranstaltet, dann würde ich auch …«
»Nein, Herr McDeel!«, unterbrach Tobalt. »Er ist nicht im Wirtshaus Stark – oder sonst wo im Dorf. Wir haben überall nachgesehen!«
Von dieser unhöflichen Unterbrechung schockiert wandte ich mich erneut meinen Forellen zu und murmelte leise, »ich sagte ja, keine Manieren.«
Entran begann zu weinen.
Ich legte die Angel beiseite und wühlte in einem halbvollen Lederbeutel mit getrocknetem Glimmkraut, um die besten Blätter des gutriechenden Tabaks in das offene Maul des Drachen zu stopfen. »Aber Aber, was habt ihr denn Jungs? Ihr verscheucht mir ja die ganzen Fische. Jetzt beruhigt euch erstmal. Vielleicht arbeitet er ja. So oft wie ihr den Mund aufmacht, so viel esst ihr zwei wahrscheinlich auch. Dann kann ich euren Vater schon verst …«
»Nein!«, rief Tobalt jetzt lauter durch die Spalten des Türrahmens. »Im Sägewerk bei der Arbeit ist er auch nicht«, berichtigte er mich.
Ich seufzte zunehmend, steckte nachdenklich das wohlschmeckende Kraut an und blies einige Rauchkringel durch die Luft.
»Machen Sie jetzt die Tür auf, Herr McDeel? Helfen Sie uns? Bitte!«
»Hmm …«, grübelte ich, wog nochmal gründlich meine Optionen ab aber schlenderte schließlich zaghaft zur Hoftür.

Zum Vorschein kamen ein untersetzter roter Wuschelkopf mit dicken Backen samt Sommersprossen und ein dürrer Langhals mit einer komisch verzogenen Nase und kurzem schwarzen schuppigen Haar.
»In was für Lumpen lauft ihr denn rum«, sagte ich, als ich die Kleidung der Buben sah, die mehr als einen Riss und Löcher besaßen. »Hat euch denn eure Mutter für den Besuch bei mir nicht zu recht gemacht? Oder hat sie bei der Hälfte einfach aufgehört?«
Die Jungen starrten verwirrt wie ein frisch erlegtes Reh. Besonders der dünne Tobalt. »W-Wir sind durch dichten Wald gelaufen«, rechtfertigte er sich beinahe sprachlos. »Es führen weder Weg noch Straße hierher.«
Jetzt wisst ihr auch warum, dachte ich und kniff die Augen prüfend enger zusammen. »Jetzt spuckt mal aus Jungs. Wobei braucht ihr genau meine Hilfe?«
»Unser Vater ist gestern nicht nach Hause gekommen«, begann Tobalt aufgedreht. »Wir dachten er kommt er spät von der Arbeit, wie die meisten Tage. Aber er kommt immer nach Hause. Und auch am Morgen und zum Mittagessen war er immer noch nicht da …«
»Und was ist mit eurer Mutter?«, unterbrach ich Tobalt. »Ist sie auch vor euch weggelaufen?«
Entran starrte zu Boden. »Die ist im Himmel, Herr Bruce.«
»Aber wir haben eine Stiefmutter. Es war ihre Idee zu Ihnen zu gehen«, meinte Tobalt. »Sie ist total aufgewühlt.«
»Mmh … das tut mir ehrlich leid für euch, Jungs«, bedauerte ich. »Hat eure Stiefmutter schon einen Gesetzeshüter informiert?«
Die Jungs schüttelten den Kopf. »Stiefmutter dachte, wir sollen Sie zuerst fragen, Herr McDeel. Sie sind doch ein Meisterdetektiv«, antwortete Tobalt.
»Ihr ehrt mich Jungs!«, errötete ich. »Aber seht ihr? Da haben wir ja schon mal einen Teil der Lösung eures Problems«, begann ich mit einer Mischung aus Erleichterung und anspornenden Trost. »Jetzt müsst ihr eure Köpfe nicht mehr hängen lassen! Ihr geht einfach zu einem Wachtmeister oder wer oder was in eurem Dort sonst so für Ruhe sorgt und dieser wird euch sicher mit Freuden helfen.«
Als keine Antwort kam, wusste ich, jetzt haben die beiden es kapiert. Zufrieden mit meinem Ratschlag tat ich einen Schritt, zurück und war gerade dabei die Türe zu schließen, als die beiden sich geknickt umdrehten und sich jammernd auf dem Heimweg machten.
»Oh verdammt!«